Energieausweis im grünen Bereich

Was ist ein guter Wert im Energieausweis?

Als gute Orientierung gilt ein Endenergiekennwert unter 100 kWh/(m²·a), also Energieeffizienzklasse C oder besser. Unter 75 kWh/(m²·a) erreicht das Gebäude Klasse B oder besser und ist energetisch sehr gut einzuordnen. Werte zwischen 100 und 130 kWh/(m²·a) entsprechen Klasse D und liegen im mittleren Bereich. Ab Klasse E steigt der energetische Verbesserungsbedarf meist deutlich an.

Der Kennwert allein erzählt allerdings nicht die ganze Geschichte. Für eine zuverlässige Beurteilung müssen auch Ausweisart, Gebäudetyp, Baujahr, Energieträger und die Bezugsfläche berücksichtigt werden.

Energieeffizienzklasse Haus: Tabelle von A+ bis H

Die Energieeffizienzklasse eines Wohngebäudes wird nach § 86 GModG unmittelbar aus dem Endenergiebedarf oder Endenergieverbrauch abgeleitet. Die aktuellen Grenzwerte stehen in Anlage 10 des Gebäudemodernisierungsgesetzes.

Energieeffizienzklasse Endenergie in kWh/(m²·a) Praktische Einordnung
A+ bis 30 außergewöhnlich effizient
A über 30 bis 50 sehr effizient
B über 50 bis 75 gut bis sehr gut
C über 75 bis 100 gut und solide
D über 100 bis 130 mittlerer Bereich
E über 130 bis 160 erhöhter Energiekennwert
F über 160 bis 200 hoher Energiekennwert
G über 200 bis 250 sehr hoher Energiekennwert
H über 250 äußerst hoher Energiekennwert

Wichtig bei den Grenzwerten: Ein Wert von genau 75 kWh/(m²·a) gehört noch zur Klasse B. Genau 100 gehört zur Klasse C, 130 zur Klasse D und 250 zur Klasse G.

Welche Energieeffizienzklasse ist gut?

Für Käufer und Mieter sind die Klassen A+ bis C in der Regel positiv. Sie weisen auf einen niedrigen Endenergiekennwert und damit tendenziell geringere Energiemengen für Heizung und Warmwasser hin. Klasse B oder besser ist besonders attraktiv. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Klassen A und B – abhängig von Gebäude- und Heizungstyp – sogar über den üblichen Neubaustandard hinausgehen können.

Klasse D ist nicht automatisch schlecht. Bei einem älteren Bestandsgebäude kann D ein ordentliches Ergebnis sein, während derselbe Wert bei einem neuen oder umfassend sanierten Gebäude eher enttäuschend wäre. Ab Klasse E sollte genauer geprüft werden, welche Bauteile oder technischen Anlagen den Kennwert beeinflussen und welche Modernisierungen sinnvoll sein könnten.

Beispiele: Wie sind konkrete Werte im Energieausweis zu bewerten?

Kennwert Klasse Einordnung
45 kWh/(m²·a) A sehr guter Wert
68 kWh/(m²·a) B guter bis sehr guter Wert
92 kWh/(m²·a) C guter, solider Wert
118 kWh/(m²·a) D mittlerer Wert; Gebäudealter beachten
175 kWh/(m²·a) F hoher Kennwert; Modernisierungspotenzial prüfen
270 kWh/(m²·a) H sehr hoher Kennwert; genauer Prüfbedarf

Welcher Wert im Energieausweis ist entscheidend?

Auf einem Energieausweis stehen mehrere Kennzahlen. Für die Einordnung in die Energieeffizienzklasse ist der Endenergiebedarf beziehungsweise der Endenergieverbrauch maßgeblich.

Endenergieverbrauch

Der Endenergieverbrauch steht im Verbrauchsausweis. Er wird aus den tatsächlich erfassten Verbrauchsdaten des gesamten Gebäudes ermittelt. Bei Wohngebäuden umfasst er Heizung und Warmwasserbereitung. Der Heizanteil wird witterungsbereinigt, damit besonders warme oder kalte Jahre den Vergleich weniger verzerren.

Endenergiebedarf

Der Endenergiebedarf steht im Bedarfsausweis. Er wird anhand der Gebäudehülle, der Anlagentechnik und standardisierter Nutzungsbedingungen berechnet. Das individuelle Heizverhalten der bisherigen Bewohner spielt dabei keine unmittelbare Rolle.

Primärenergiebedarf oder Primärenergieverbrauch

Der Primärenergiewert berücksichtigt zusätzlich den Aufwand für Gewinnung, Umwandlung und Transport des Energieträgers. Er ist wichtig für die ökologische Bewertung der Energieversorgung, eignet sich aber nicht als direkte Prognose der späteren Heizkosten. Für eine erste wirtschaftliche Einschätzung ist der Endenergiekennwert meist hilfreicher.

Warum sind Verbrauchs- und Bedarfsausweis nicht direkt vergleichbar?

Obwohl beide Ausweisarten dieselbe Skala von A+ bis H verwenden, beruhen sie auf unterschiedlichen Grundlagen. Der Verbrauchsausweis spiegelt das reale, aber vom Nutzerverhalten beeinflusste Verbrauchsgeschehen wider. Der Bedarfsausweis beschreibt einen rechnerischen Zustand unter standardisierten Bedingungen.

Ein Gebäude kann deshalb im Verbrauchsausweis einen anderen Kennwert erreichen als im Bedarfsausweis. Das ist nicht automatisch ein Fehler. Beim Vergleich mehrerer Immobilien sollte möglichst darauf geachtet werden, ob dieselbe Ausweisart vorliegt.

Wie stark beeinflusst das Nutzerverhalten den Wert?

Beim Verbrauchsausweis kann das Verhalten der Bewohner das Ergebnis deutlich beeinflussen. Wer wenig heizt, einzelne Räume kaum nutzt oder über längere Zeit abwesend ist, senkt den erfassten Verbrauch. Umgekehrt erhöhen hohe Raumtemperaturen, häufiges Lüften bei aufgedrehter Heizung oder ein hoher Warmwasserverbrauch den Kennwert.

Die gesetzliche Witterungsbereinigung gleicht klimatische Unterschiede aus. Längere Leerstände müssen rechnerisch berücksichtigt werden. Dennoch bleibt der Verbrauchsausweis stärker nutzerabhängig als der Bedarfsausweis. Ein ungewöhnlich niedriger Verbrauchswert sollte daher zusammen mit Belegungs- und Leerstandssituation betrachtet werden.

Was bedeutet die Einheit kWh/(m²·a)?

Die Einheit bedeutet Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. Sie beschreibt, wie viel Endenergie rechnerisch auf einen Quadratmeter der maßgeblichen Gebäudefläche entfällt.

Bei Wohngebäuden im Verbrauchsausweis bezieht sich der Wert auf die Gebäudenutzfläche. Diese ist nicht automatisch identisch mit der Wohnfläche. Ist sie nicht bekannt, darf sie bei Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen und beheiztem Keller pauschal mit dem 1,35-Fachen der Wohnfläche angesetzt werden. Bei sonstigen Wohngebäuden kann das 1,2-Fache der Wohnfläche verwendet werden.

Deshalb darf der Energiekennwert nicht unkritisch mit der Wohnfläche einer einzelnen Wohnung multipliziert werden. Der Energieausweis bewertet das gesamte Gebäude und keine konkrete Wohnung.

Lassen sich aus dem Energieausweis die Heizkosten berechnen?

Nur überschlägig. Eine einfache Näherung lautet:

Endenergiekennwert × Gebäudenutzfläche × Energiepreis je kWh = grobe jährliche Energiekosten

Beispiel: Bei 90 kWh/(m²·a), 150 m² Gebäudenutzfläche und einem angenommenen Energiepreis von 0,10 Euro je kWh ergeben sich rechnerisch rund 1.350 Euro pro Jahr.

Das Ergebnis ist keine Kostenprognose. Tatsächliche Kosten hängen unter anderem von Energieträger, Tarif, Grundpreis, Wirkungsgrad, Nutzerverhalten, Raumtemperatur, Warmwasserverbrauch und Wetter ab. Bei einer Wohnung kommen außerdem ihre Lage im Gebäude und die Heizkostenverteilung hinzu.

Was sollten Käufer bei einem hohen Energiekennwert prüfen?

  • Handelt es sich um einen Verbrauchs- oder Bedarfsausweis?
  • Wie alt ist der Energieausweis und ist er noch gültig?
  • Welcher Energieträger wird verwendet?
  • Wie alt sind Heizung, Fenster und Dämmung?
  • Welche Modernisierungsempfehlungen enthält der Ausweis?
  • Gab es Leerstände oder eine ungewöhnliche Nutzung?
  • Sind bereits Sanierungen geplant oder beschlossen?
  • Welche tatsächlichen Heizkostenabrechnungen liegen vor?

Ein Energieausweis dient nach § 79 GModG nur der Information und dem überschlägigen Vergleich. Bei einer Kaufentscheidung mit hohem Investitionsvolumen kann eine zusätzliche Gebäude- oder Energieberatung sinnvoll sein.

Was können Eigentümer bei Klasse E, F, G oder H tun?

Ein hoher Kennwert ist ein Anlass für eine genauere Untersuchung, aber noch keine Sanierungsplanung. Häufige Ansatzpunkte sind die Heizungsanlage, die Dämmung von Dach oder oberster Geschossdecke, Außenwände, Fenster, Kellerdecke sowie die Regelung und Verteilung der Wärme.

Die Modernisierungsempfehlungen im Energieausweis geben erste Hinweise. Sie sind für den Eigentümer grundsätzlich nicht verpflichtend. Für eine abgestimmte Reihenfolge und belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist eine qualifizierte Energieberatung oder ein individueller Sanierungsfahrplan wesentlich aussagekräftiger.

Häufige Fragen zum guten Energieausweis-Wert

Ist Energieeffizienzklasse C gut?

Ja. Klasse C umfasst Werte über 75 bis 100 kWh/(m²·a) und ist als guter, solider Bereich einzuordnen. Für ein älteres Bestandsgebäude kann C ein besonders ordentliches Ergebnis sein.

Ist Energieeffizienzklasse D noch gut?

Klasse D mit über 100 bis 130 kWh/(m²·a) liegt im mittleren Bereich. Bei einem älteren Gebäude kann der Wert akzeptabel sein. Bei einem Neubau oder einer umfassend sanierten Immobilie wäre eine bessere Klasse zu erwarten.

Ist ein Wert von 100 kWh/(m²·a) gut?

Ja. Genau 100 kWh/(m²·a) entspricht noch Klasse C. Der Wert liegt an der Grenze zum mittleren Bereich der Klasse D und sollte zusammen mit Gebäudealter und Ausweisart beurteilt werden.

Ist ein Wert von 150 kWh/(m²·a) hoch?

150 kWh/(m²·a) entspricht Klasse E. Der Wert ist erhöht und deutet meist auf energetisches Verbesserungspotenzial hin. Bei einem unsanierten Altbau ist er allerdings nicht ungewöhnlich.

Welche Klasse hat ein Wert von 75 kWh/(m²·a)?

Genau 75 kWh/(m²·a) gehört noch zur Energieeffizienzklasse B. Erst Werte über 75 werden der Klasse C zugeordnet.

Ist Energieeffizienzklasse H automatisch ein Sanierungszwang?

Nein. Die Energieeffizienzklasse allein löst nicht automatisch eine allgemeine Pflicht zur Komplettsanierung aus. Einzelne gesetzliche Nachrüstpflichten oder Pflichten nach einem Eigentümerwechsel sind davon zu unterscheiden und müssen im konkreten Fall geprüft werden.

Kann ein Verbrauchsausweis trotz eines guten Werts täuschen?

Der Wert kann durch sparsames Heizverhalten beeinflusst sein. Er ist deshalb ein wichtiger Vergleichswert, aber keine Garantie für die künftigen Kosten eines neuen Bewohners. Leerstand, Warmwasserbereitung und tatsächliche Abrechnungen sollten zusätzlich geprüft werden.

Fazit: Unter 100 ist gut, unter 75 sehr gut

Ein Endenergiekennwert unter 100 kWh/(m²·a) beziehungsweise Energieeffizienzklasse C oder besser ist eine gute Orientierung. Unter 75 kWh/(m²·a) und damit Klasse B oder besser ist der Wert sehr gut. Die endgültige Bewertung hängt jedoch immer von Gebäudetyp, Alter, Ausweisart und Energieträger ab.

Wer einen Verbrauchsausweis benötigt, kann ihn bei ENERVAL ab 39 Euro online beantragen. Die Angaben werden persönlich durch einen qualifizierten Aussteller geprüft. Die Bearbeitung erfolgt durch einen DEKRA-zertifizierten Sachverständigen für Immobilienbewertung; die Ausstellungsberechtigung für Energieausweise richtet sich unabhängig davon nach § 88 GModG.

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